Mit Bewegung zur Begegnung – Netzwerktour zu drei Kultus-Orten im Landkreis Märkisch-Oderland
Rückblick & Zusammenfassung der Tour am 16.01.2026
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Ein bisschen Klassenfahrtstimmung lag in der Luft – und das im besten Sinne. Am 16. Januar 2025 machte sich das Netzwerk ZusammenWachsen mit über 25 Teilnehmenden aus verschiedenen brandenburgischen Kommunen auf den Weg in den Landkreis Märkisch-Oderland. Ziel war eine Bustour zu drei Begegnungsorten in Trägerschaft des Kultus e.V. in Rehfelde, Buckow und Müncheberg.
Die winterliche Fahrt durch die Märkische Schweiz sorgte nicht nur für Ortswechsel, sondern auch für Bewegung im Denken: Zwischen Inputs, Rundgängen und Gesprächen blieb Zeit für Austausch, Diskussion und Perspektivwechsel. Die Idee der Tour war klar: Begegnungsorte nicht nur theoretisch besprechen, sondern ihre konkrete Praxis kennenlernen, mit Aktiven vor Ort ins Gespräch kommen und offen über Finanzierung, Organisation und Herausforderungen diskutieren.
Drei Kommunen – drei Begegnungsräume
Die drei Stationen zeigten eindrücklich, wie unterschiedlich Ausgangslagen und Bedarfe in Brandenburg sein können.
Rehfelde
Im Familienzentrum Rehfelde stehen vor allem junge Familien im Fokus – viele von ihnen zugezogen. Fabian Brauns, Gründungsmitglied und Vorstand des Kultus e.V., berichtete zum Auftakt von der Entstehungsgeschichte der verschiedenen Standorte. In Rehfelde fehlten Treffpunkte, Austauschmöglichkeiten und Angebote für junge Eltern. Entstanden sind Krabbelgruppen, Kurse, offene Cafés und Formate für mehrere Generationen – ein Ort, der Lücken schließt und Gemeinschaft stärkt.
Buckow
Ganz anders die Situation in Buckow: hohe Lebensqualität, viel Gastronomie, touristische Prägung – aber wenig kulturelle Vielfalt für jüngere Menschen und Rückkehrer:innen mit Kindern. Das „lokal.“ entstand aus genau diesem Bedarf heraus: als Begegnungsort für Familien, die zurück in die Region gezogen waren.
Mit der Zeit veränderten sich jedoch die Rahmenbedingungen. Nach einem Vermieterwechsel waren Abendveranstaltungen nur noch eingeschränkt möglich, zugleich verlagerte sich der Schwerpunkt stärker auf den Wochenendtourismus. „Das war nicht die Idee“, fasste Geschäftsführer Felix Brückmann die Entwicklung zusammen. Ein Beispiel dafür, wie stark Begegnungsorte von äußeren Faktoren abhängig sind – und wie wichtig verlässliche Strukturen sind.
Müncheberg
In Müncheberg wiederum prägen acht Ortsteile, lange Leerstände und eine wenig belebte Innenstadt die Ausgangslage. Mit dem „Thälmanns“ entstand ein sichtbarer Treffpunkt, der bewusst offen für unterschiedliche Zielgruppen ist und die Innenstadt wieder als öffentlichen Raum erlebbar macht. Hier geht es nicht nur um Angebote, sondern auch um Stadtentwicklung und Aufenthaltsqualität.
Rückkehr, Zuzug, Ankommen – gemeinsame Herausforderungen
In den Gesprächen während der Fahrt wurde deutlich: Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Fragen.
Eichwaldes Bürgermeister Jörg Jenoch berichtete von zahlreichen Initiativen, denen es jedoch an geeigneten Räumen fehlt. In Rangsdorf bringt der starke Zuzug der letzten Jahre vielfältige Raumbedarfe mit sich. Engagement und Ideen sind vorhanden – doch häufig scheitert die Umsetzung an fehlender Finanzierung oder an langfristiger Absicherung.
Felix Brückmann betonte, dass keiner der Kultus-Begegnungsorte ausschließlich ehrenamtlich getragen wird. Gerade Koordination, wirtschaftliche Bereiche und kontinuierliche Öffnungszeiten benötigen hauptamtliche Strukturen. Gleichzeitig können freie Träger – trotz Gemeinnützigkeit – wirtschaftlich tätig sein. Eigene Einnahmen schaffen Spielräume, erleichtern Förderanträge und ermöglichen neue Projekte.
Das Café als Türöffner
Besonders anschaulich wurde dies am Beispiel des „Thälmanns“ in Müncheberg. Nach der Pandemie war es zeitweise die einzige geöffnete Gastronomie in der Innenstadt. Ein Café kann niedrigschwellig wirken: Sichtbarkeit, Regelmäßigkeit und Aufenthaltsqualität senken Hemmschwellen, erklärte Projektleiterin Veronica Remmele. Menschen kommen zunächst als Gäste – und werden mit der Zeit Teil des ehrenamtlichen Teams.
Wo viele unterschiedliche Zielgruppen aufeinandertreffen, entstehen auch Konflikte. Klare Kommunikation, verlässliche Strukturen und Transparenz sind entscheidend. Oder, wie Remmele es formulierte: „Wer viel macht, darf auch viel mitbestimmen.“ Begegnungsorte leben vom Mitmachen – und von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Machen statt meckern
Die Tour machte deutlich: Begegnungsorte sind keine Selbstläufer. Sie entstehen aus konkreten Bedarfen, brauchen tragfähige Strukturen und entwickeln sich im Spannungsfeld von Engagement, Finanzierung und lokalen Rahmenbedingungen.
Und doch verbindet alle drei Orte etwas Gemeinsames: der Wille, Räume für Begegnung zu schaffen – gerade in Zeiten von Zuzug, Rückkehr und gesellschaftlicher Veränderung.
Oder kurz gesagt: Machen statt meckern.
ZusammenWachsen wird von hierzulande(n) 3.0 koordiniert, ein Projekt des Kultus e.V.,
gefördert von der Staatskanzlei Brandenburg
Das Projekt ist Teil des Netzwerks der Rückkehrerinitiativen „Ankommen in Brandenburg“.